»Dickicht«
Sich auf den Raum einstellen, irgendwo beginnen, zufällig oder gewollt. Ambivalenz von Planen und Loslassen sind Grundelemente in Michael Reiters Vorgehensweise, wenn von ihm Räume mit Bändern bespannt werden. Hier im cube4×4x4 wurde zunächst ein Stück des leuchtend hellgrünen Bandes an der Wand befestigt, Halt suchend. Nach wenigen Auf-und Abwärtsbewegungen führt er das Band in einer Diagonalen durch den Raum und befestigt es hier und da am Boden. Er spannt es zur gegenüberliegenden Wand und zurück zum Ausgangspunkt. Durch plötzliche Knicke und leichte Drehungen wird die lineare Wirkung verstärkt. Wiederum hochgezogen, kommt das Band zum Ausgangspunkt zurück, aber nicht um einen Kreislauf zu beschreiben. Alles bleibt offen. Es gibt einen Anfang und ein Aufhören, aber kein definiertes Ende. Es könnte irgendwie weiter gehen.
So entsteht durch das Hin und Her, selten rechtwinklig, oft übereinander schwebend, langsam das vom Künstler angestrebte Dickicht. Eine Raumzeichnung ist entstanden, die neue Räume bildet. Man betrachtet die Kanten der Bänder, die je nach Drehung Lichtlinien bilden. Man ist fasziniert, wie sich je nach Licht die Farbe der Bänder verändert. Die Wandlung von gleissend hell zu dezent matt vollzieht sich je nach Standpunkt unverhofft. Den Kontrast zu den klar begrenzten Bändern bilden Schattenlinien am grauen Boden. Es ist ein scheinbar flüchtiges Gebilde entstanden mit einer ganz eigenen Struktur. Es wirkt auch wie eine leicht dahingeschriebene Partitur.
B.H.
